Plötzlich und unerwartet - eine Déjà Revue (123-128)
http://www.brynntrup.de/pui/ - nach dem Film "Plötzlich und unerwartet - eine Déjà-Revue", 1993 von Michael Brynntrup - mit Mara Mattuschka, Udo Kier, Ichgola Androgyn.Neben zwei bekannten Fassbinder-Filmen mit Kier (...), der neue Film von Michael Brynntrup, »Plötzlich und unerwartet« (...). In Brynntrups Film sehen wir Kier auf dem Weg zum Friedhof, in einem Bestatterbüro, wir sehen eine Bestattung, die Kier sieht, und plötzlich sehen wir das ganze nochmals und nochmals, und Kier sieht sich selbst in den Kellern des Friedhofs, zwischen Särgen, wir hören ihn rückwärts reden, der ganze Film bewegt sich plötzlich rückwärts... Wie immer bei Brynntrup ein Film, der dem Zuschauer den Ball zuspielt, der den Film entschlüsseln, enträtseln soll. Vielleicht ein Film über die Zeit? Oder über das Leben, das möglicherweise eine Krankheit ist, die zum Tod führt? Der Zuschauer möge entscheiden.(Siegessäule, 8/93 - Michael Höfner)"Sinnen auf den Tod ist Sinnen auf Freiheit. Wer sterben gelernt hat, versteht das Dienen nicht mehr." (Michel de Montaigne) - So die Lebensphilosophie eines Künstlers, der durch Filmemachen die prägende Konfrontation mit dem Tod aufarbeitet. Gedreht auf 16mm, unterstützt von der exzentrischen Erscheinung des 'enfant terrible' Udo Kier (einst Hauptdarsteller in Filmen von Warhol und Fassbinder), wagt Michael Brynntrup eine Gratwanderung zwischen Avantgarde und Trash, die einem Entfesselungsakt gleichkommt. Das wahrlich Unwirkliche von Brynntrups morbid-bizarren Filmphantasien findet Anhaltspunkte in der Biographie des Künstlers, der mit seinen filmischen Selbstbespiegelungen Abwehrreaktionen gegen die Endlichkeit des Seins freisetzt und der Allgegenwart des Todes auflauert. Es gibt kaum einen Fim von ihm, in dem nicht irgendwann irgendwo ein Totenschädel auftaucht. TOD. TODESSTREIFEN. TOD CHRISTI. TOTENKOPF. TOTENTANZ: Dies sind allesamt archetypische Motive hinter denen schwere Depressionen, Schwermut und Tristesse zu vermuten sind. Auf die Stimmung in den meisten Filmen treffen die Vermutungen jedoch kaum zu. - Im Gegenteil! Brynntrup hat einen ausgeprägten Humor, einen schwarzen, versteht sich.(Katalog 10. Schwule Filmtage Freiburg, März 1994)