Zug der Erinnerung 14.-16.2.2008 in Bochum
mehr Infos unter: http://www.zug-der-erinnerung.eu/Wieviele der deportierten Kinder und Jugendlichen überlebten, ist bis heute unerforscht. Eine deutschlandweite Deportationsliste existiert nicht -- sie müsste mehrere zehntausend Namen nennen. Zusätzlich zu den Kindern aus Deutschland waren es Kinder aus ganz Europa, die in die Todeszüge getrieben wurden -- aus Frankreich, Holland, Belgien, Italien, Polen, Norwegen, Jugoslawien, Griechenland, Österreich, Ungarn, aus den baltischen Ländern, aus der Sowjetunion, der Tschechoslowakei. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche deportiert wurden.Nur wenigen gelang es, letzte Briefe aus den Reichsbahn-Waggons auf die Gleise zu werfen, bevor die Züge die Lager erreichten. In den überfüllten Waggons hofften die Kinder auf Hilfe. Aber auf den Abstellgleisen und Bahnhöfen unserer Städte schritt niemand ein.Mehr als sechzig Jahre ist das Schicksal der Kinder beschwiegen worden. Fast keiner der Täter wurde je zur Rechenschaft gezogen. In den Ministerien und Polizeidienststellen, in den Bahndirektionen und Stellwerken arbeiteten sie ungestraft weiter. Ihre Opfer wurden vergessen.Warum ist über das Schicksal der Kinder so wenig bekannt? Warum erinnern wir uns nicht?Prof. em. Dr. Peter Krahulec meint: "In der Tat besteht hier -- trotz der bröckelnden Amnesie -- eines der letzten Tabus des bundesrepublikanischen Geschichtsbewusstseins."Erinnerung ist konkret: Spurensuche nach Menschen und Ereignissen, die vergessen scheinen und beschwiegen werden.Der Zug der Erinnerung besteht aus mehreren Waggons, in denen die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien nacherzählt wird. Schwerpunkt der Ausstellung ist das Deportationsgeschehen in Deutschland: die Zustellung der Deportationsbescheide, das Herrichten und Verlassen der Wohnungen, der Weg zu den Sammellagern und von dort am helllichten Tag durch die Dörfer und Städte zu den wartenden Zügen.In einem eigenen Ausstellungsbereich werden mehrere Täter der unterschiedlichen Funktionebenen vorgestellt: Vom Reichsverkehrsministerium über die SS bis hin zu den Logistikplanern der Reichsbahn, die für den Transport der todgeweihten Kinder und Jugendlichen in die Vernichtungslager sorgten. Mehrere dieser Spezialisten setzten ihre Bahnkarrieren in der Nachkriegszeit fort.Am Ende des zweiten Waggons hängen die noch leeren, durch die Recherche von Schulen und anderen Organisationen zu füllenden Tafeln mit den Fotos und Biographien einzelner Kinder aus den Gemeinden und Städten entlang der Fahrstrecke.Der Zug der Erinnerung hält auch eine Rechercheneinheit bereit: Computer und Handbibliothek laden zur Spurensuche ein. Hier besteht die Möglichkeit, über die Ausstellung zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen.Während des Aufenthalts des Zuges der Erinnerung werden zusätzlich vor Ort Veranstaltungen stattfinden und gesellschaftliche Initiativen Gelegenheit zu eigenen, ergänzenden Darstellungen haben. Je nach örtlichen Aktivitäten verlässt der Zug der Erinnerung spätestens am Ende einer Woche die Region und wechselt in die nächste, um dort den Impuls für Erinnern, Forschen und Gedenken weiterzugeben.