Die Papierserviette
Da liegt sie, unbeachtet, achtlos geht man vorbei, tritt gar auf sie, der leichte Wind kommt hie und da und entfaltet sie und faltet sie auch wieder zu.Das ist ein Stilleben auf der Frankfurter Zeil. An einem Samstag. Die Schatten sind schon lang geworden.Das Handy klingelt am Ende. Was geht Sie das an! Ich habe den Ton gekillt.Wie könnte es auch ein Stilleben sein, wenn da noch Ton rumspukt. Und dann noch so ein lauter!Da käm die Maus ja nie raus!Frankfurt am Main, Auf der Zeil5. Mai 2007Warten auf Scheich SchuhDo, 10.Mai 2007 Ergänzung:(Auszug aus Anselm von Feuerbach: Kaspar Hauser/ Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen)"Nicht geringe Mühe und häufige Zurechtweisungen kostete es, ihm den Unterschied zwischen dem Organischen und Unorganischen, dem Lebendigen und Toten, sowie zwischen freiwilliger und von außen mitgeteilter Bewegung begreiflich und geläufigzu machen. Vieles, was eine Menschen- oder Tiergestalt hatte, mochte es auch Stein gehauen, aus Holz geschnitzt oder gemalt sein, hielt er noch immer für beseelt und mit allen den Eigenschaften begabt, die er an sich selbst oder andern beseelten Wesen wahrnahm. Bei den an den Häusern der Stadt gemalten oder ausgehauenen Pferden, Einhörnern, Straußen etc. kam es ihm sehr verwunderlich vor, daß sie immer an einer Stelle blieben und nicht davonliefen. - Gegen eine Statue in dem Hausgarten äußerte er seinen Unwillen, daß sie so schmutzig aussehe und sich doch nicht wasche. - Als er zum erstenmal das große Kruzifix des Veit Stoß an der Außenseite der Sebalduskirche sah, erregte ihm dieser Anblick Entsetzen und Jammer; er bat flehentlich, man möge den gequälten Menschen da droben herunternehmen, und wollte sich lange nicht zufriedengeben, obgleich man ihm zu erklären versucht hatte, daß dieses kein wirklicher Mensch, sondern nur ein Bild sei und nichts empfinde. - Jede Bewegung, die er an was immer für einem Gegenstande wahrnahm, hielt er für freiwillig, und das Ding, woran sie sich äußerte, für belebt. Ein Blatt Papier, das der Wind herabwehte, war vom Tisch hinweggelaufen, ein von einer Anhöhe herabrollendes Kinderwägelchen machte sich das Vergnügen, sich selbst von der Höhe herabzufahren. Der Baum bekundete ihm Leben, indem er seine Zweige und Blätter bewegte, nd sprach, wenn der Wind durch seine Blätter rauschte. - Einem Knaben, der mit einem Stecken auf den Stamm eines Baumes schlug, bezeigte er seinen Unwillen darüber, daß er dem Baume so weh tue. - Die Kugeln einer Kegelbahn liefen, nach seinen Äußerungen zu schließen, freiwillig, taten andern Kugeln weh und waren, wenn sie endlich stillstanden, vom Laufe müde. Professor Daumer bemühte sich eine Weile vergebens, ihm die Übrzeugung beizubringen, daß eine Kugel sich nicht freiwillig bewege. Es gelang ihm dieses erst dadurch, daß er Kaspar selbst aus seinem Brot eine Kugel formen und ihn dieselbe dann vor sich herrollen ließ. - Daß ein Brummkreisel, den er schon eine Weile hatte tanzen lassen, nicht freiwillig sich bewege, wurde ihm erst klar, als ihm, vom öfteren Aufziehen der Schnur, der Arm weh tat, und er dadurch seiner eigenen Kraft, die er bei jener Kreiselbewegung verwendet hatte, fühlbar bewußt wurde ..." (S.83/84Waldkircher Verlagsgesellschaft MBH)15.Mai 2007: Es kommt mir nun schon so vor, als habe da wer in der Papierserviette einen Köder ausgelegt, an dem er Fische fangen will und wird und schon gefangen hat. Wer nach der Papierserviette greift, ohne den unsichtbaren Faden zu bemerken, den ein Kind ihm verpaßte, bekommt sie nicht zu greifen, sie entzieht sich ihm, ihn immer mehr in eine Gegend verlockend, in der er noch nie sich befunden hat. Verwundert schaut er sich am Ende um: Wo bin ich hier? Wie bin ich doch hierhergeraten?Ich danke dem anbissigen Fisch Mark Bellinghaus für die Videos, die er mir aus dem Film (World Day Save The Planet Baraka: Africa Amazon Rainforest )... zuteilte (siehe Favoriten); dieser Ausschnitt aus Baraka hat mich sehr berührtsteffenelis, 13h11